Nehemia 9

Dez 28

Heutige Bibellese:

Nehemia 9,32-11,36 / Offenbarung 20,1-15 / Psalm 147,1-20 / Sprüche 30,29-31


Das Laubhüttenfest (8,13-18) endete am 22. des 7. Monats. Zwei Tage später versammelte sich das Volk erneut – diesmal nicht zu einem Freudenfest, sondern unter Fasten und in Sacktuch (grobes dunkles Tuch aus Ziegenhaar) und mit Erde auf dem Kopf, als Zeichen der Trauer über die eigenen sowie die von den Vätern begangenen Sünden, die sie öffentlich bekannten (V.2-3). Es ist für die jüngere Generation leicht, nur die Schuld der „Väter“, d.h. der älteren Generation, zu kritisieren und vor Gott zu bekennen – aber hat sie dazu ein Recht, solange sie sich nicht selbst kritisch hinterfragt und zunächst die eigene Schuld bekennt? Wer meint, selbst sündlos zu sein, sollte zur Bibel greifen und sie ernsthaft und mit aufrichtigem Herzen studieren. Wer drei Stunden lang das Wort Gottes gelesen oder gehört hat wie damals die Menschen zur Zeit Nehemias (V.3), dem werden zahlreiche persönliche Verfehlungen bzw. Verfehlungen der eigenen Generation bewusst werden! Sich selbst für sündlos zu halten ist Selbstbetrug!

Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. [...] Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. (1.Joh 1,8.10)

Wenn wir dagegen unsere Sünden vor Gott bekennen, dann vergibt Gott uns – denn er ist reich an Vergebung (Jes 55,7; 1.Joh 1,9).

Das Bußgebet der Leviten (V.4-37) enthält (nach einem Lobpreis des Schöpfers; V.6) eine kritische Betrachtung der Geschichte Israels. Zuerst wird der Bund mit Abraham erwähnt (V.7-8), dann die Befreiung der Väter aus Ägypten (V.9-11), die Erfahrungen in der Wüste (V.12-21). Obwohl die Väter dem HERRN nicht treu und gehorsam waren (V.16-18), blieb er treu und sorgte für sein Volk (V.19-21). V.22-25 beschreibt die Landnahme, V.26-30 die Zeit der Richter. Immer wieder versagte das Volk, doch der HERR hatte Erbarmen mit ihm und verließ es nicht.

Im Schlussteil des Gebets (V.32-37) baten die Leviten um nochmalige Gnade und Befreiung von der Fremdherrschaft, unter der Israel seit den Tagen der Könige von Assur stand. Das begann bereits im 9. Jh. v.Chr., d.h. 400 Jahre vor der Zeit Nehemias. Israel befand sich in großer Bedrängnis, weil das Land seinen Ertrag nur für die Könige mehrte anstatt für das Volk (V.36-37). Dennoch machten die Leviten dem HERRN keine Vorwürfe, sondern erkannten an, dass er bei allem, das über sie gekommen war, gerecht handelte und Treue bewiesen hatte (V.33).

Auch wir werden unserem Herrn immer wieder untreu und verhalten uns seiner unwürdig. Und dennoch bleibt er uns gnädig und treu – dem Herrn sei Dank!

[...] wenn wir untreu sind - er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen. (2.Tim 2,13)

Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue. (Klgl 3,22-23)


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