Sacharja 3

Dez 09

Heutige Bibellese:

Sacharja 2,5-3,10 / Offenbarung 2,1-17 / Psalm 128,1-6 / Sprüche 29,9-11


Sacharja empfing seine Nachtgesichte am 15. Februar 519 v.Chr. (vgl. 1,7). In der vierten Vision sah er den Hohepriester Joschua (der in Esr und Hag Jeschua genannt wird), wie er vor dem Engel des HERRN (d.h. dem HERRN selbst; vgl. V.1-2) stand. Das Stehen ist ein Ausdruck für das Priesteramt und den Dienst für den HERRN:

In jener Zeit sonderte der HERR den Stamm Levi dazu aus, die Lade des Bundes des HERRN zu tragen, vor dem HERRN zu stehen, um seinen Dienst zu verrichten und in seinem Namen zu segnen, bis auf diesen Tag. (5.Mo 10,8)

[Rede Hiskias an die Priester und Leviten] Nun, meine Söhne, seid nicht lässig! Denn euch hat der HERR erwählt, vor ihm zu stehen und ihm zu dienen. [...] (2.Chr 29,11)

Das ist ein weiterer Beweis für die Göttlichkeit des Engels des HERRN. Auch der Satan war anwesend. Das zeigt, dass der Satan Zugang zu bestimmten Bereichen des Himmels hat (vgl. Hi 2,1) und das dazu benutzt, Menschen vor Gott anzuklagen (vgl. Fußnote zu V.1: „Satan“ bedeutet „Ankläger“; Hi 1,9.11; 2,3-5; Off 12,10). Der Hohepriester war vor Gott ein Repräsentant für das ganze Volk Israel, so dass Joschua in dieser Prophetie für ganz Israel steht. Doch wir können die Prophetie auch auf uns anwenden (vgl. Röm 15,4).

Die Anklagen Satans geschehen nicht zu unrecht – weder waren Joschua und Israel sündlos noch sind wir es; vielmehr haben wir alle unsere „Kleider“ durch unsere Sünden befleckt (V.4; vgl. Jes 64,5). Menschen und nicht einmal Engeln steht es zu, den Satan zu schelten (V.2). Das ist Gottes Aufgabe (vgl. Jud 8-10). Wie gut ist es da zu wissen, dass auch wir einen Beistand im Himmel haben, der den Satan „bedroht“, d.h. zum Schweigen bringt (V.2; vgl. Röm 8,34):

 [...] wenn jemand sündigt - wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Sühnung für unsere Sünden [...] (1.Joh 2,1-2)

Joschua wird freigesprochen, weil Gott seinem Volk Israel gnädig ist (vgl. V.9: „die Schuld dieses Landes wird entfernt werden an einem Tag“) und auch uns!

Dass die Schuld an einem Tag vergeben wird, ist eine Anspielung auf den Versöhnungstag, der einmal im Jahr von Israel begangen wird. Dieser Tag wurde von Gott als Vorschattung des wahren Versöhnungstages eingesetzt. Inzwischen hat dieser Versöhnungstag stattgefunden. Am Kreuz trug Jesus sowohl die Sünden Israels als auch aller Menschen (vgl. Mt 1,21; Joh 1,29; 1.Joh 2,2), so dass alle Menschen, die zu ihm kommen, ihre von Sünden beschmutzten Kleider loswerden und mit reinen Kleidern bekleidet werden.

Aufschlussreich ist Sacharjas Einwand in V.5. Nachdem Joschua versichert wurde, dass seine Schuld weggenommen sei (V.4), forderte der Prophet, dass man dem Hohepriester einen reinen Kopfbund aufsetzen solle. Das hängt damit zusammen, dass die Sünde im Kopf beginnt (und oft die Augen daran beteiligt sind; vgl. z.B. 1.Mo 3,6; Mt 5,28). Deshalb muss auch die Erneuerung beim Denken beginnen:

[...] werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. (Röm 12,2)