Hoheslied 1,2-6; 3,6-4,16; 8,12

Juni 25

Heutige Bibellese:

Hoheslied 1,1-5,1 / Jakobus 2,14-3,12 / Psalm 143,1-12 / Sprüche 17,26-27


Das Hohelied, das Lied der Lieder, beschreibt die Liebe zwischen König Salomo und dessen Braut Sulamith (3,11; 7,1). Prophetisch bezieht sich dieses Lied auf die Beziehung zwischen Jesus Christus bei seiner Wiederkunft als König (wenn er sein Reich aufrichtet) und dem glaubenden Überrest des Volkes Israel. Doch wir können dieses Lied auch auf uns anwenden, auf die Beziehung zwischen Jesus Christus und der Gemeinde.

Sulamith sehnt sich nach der Liebe und den Küssen des Königs (1,2-4). Doch beschämt stellt sie fest, dass sie schwarz ist und gar nicht schön anzusehen (V.5-6). In diesem Zustand kann der König doch gar kein Gefallen an ihr haben. Ist das nicht der Zustand jedes Menschen? Tief im Herzen tragen wir die tiefe Sehnsucht nach der Annahme und Liebe durch den großen König – durch Gott selbst. Aber: wir sind schwarz, im übertragenen Sinne völlig verdreckt durch unsere Sünde (vgl. Jes 59,3). Wie sollte der König gefallen an uns finden? Auffallend ist, dass der König viel öfter die Schönheit der Braut beschreibt und ihr sagt, wie sehr er sie liebt, als umgekehrt (z.B. 3,6-4,16). Dennoch bleibt Salomo nur ein schwaches Abbild unseres Herrn Jesus. Gottes Liebe ist viel größer als diejenige Salomos. Sie ist so groß, dass Jesus Christus sogar für uns starb, als wir noch „schmutzige“ Sünder waren (vgl. Joh 15,13; Eph 2,4-5)!

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. (Röm 5,8)

Liebe ist unbestreitbar der ausschlaggebende Grund für das Handeln Gottes. Und doch können wir gerade im Hohelied noch einen anderen Aspekt erkennen: Gott sieht mehr als wir. Manche Menschen neigen zu Selbstüberschätzung, aber viele bleiben bei ihrem Blick auf sich selbst am „Schwarzen“ hängen, an ihren Sünden und Unvollkommenheiten, an den Diskrepanzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Doch Gott blickt nicht nur auf unsere Fehler und Schwächen, er sieht auf das, was seine Herrlichkeit in und durch uns wirken will. Die Größe Gottes besteht gerade darin, dass er unvollkommene Menschen benutzt, um sich zu verherrlichen, um sein Werk zu wirken. Wenn wir uns nicht gegen das Wirken des Geistes Gottes sperren, dann werden wir zu einer Quelle lebendigen Wassers. Das sah er in der schwarzen Sulamith (4,15), die ihren eigenen Weinberg vernachlässigt hatte (1,6) und bei der erst am Ende des Buches Frucht erwähnt wird (8,12). Und diese Veränderung ist auch sein Ziel mit uns (Joh 4,14; 7,38; 15,8).