Offenbarung 10,1-6
Heutige Bibellese:
Esther 1,1-3,15 / Offenbarung 10,1-11 / Psalm 137,1-9 / Sprüche 30,1-4
Wie bereits in 8,3 so tritt auch hier Jesus in Gestalt eines Engels in Erscheinung. Er hat ein geöffnetes Büchlein in der Hand. Das Buch in Kapitel 5 enthielt die Ratschlüsse und Gerichtsankündigungen für die ganze Erde, während das kleine Büchlein nur mit einem kleinen Teil der Erde, Israel bzw. Jerusalem, zu tun hat – und nur für den kurzen Zeitraum von dreieinhalb Jahren (11,2). Das Buch ist in doppelter Hinsicht offen: Einerseits weil es um das bereits aus alttestamentlichen Prophetien bekannte Gebiet geht. Andererseits ist der Inhalt verständlich und offen, weil die Sprache hier nicht symbolisch ist wie in den nur sehr begrenzt verständlichen „versiegelten“ Kapiteln 8–9. Vers 2 enthält noch eine Verbindung zu Kapitel 5. Dort nahm das Lamm die Buchrolle aus der Hand Gottes und zeigte damit, dass nur Es die Würde und das Recht besitzt, die Erde für Gott in Besitz zu nehmen. Noch sind die dafür erforderlichen, die Erde reinigenden Gerichte nicht abgeschlossen. Doch indem der Engel sich mit seinen Füßen auf die Erde und das Meer stellt, zeigt er schon hier, dass er die Erde in Besitz nehmen wird. Das „Brüllen wie ein Löwe“ (V.3) erinnert ebenfalls an den Löwen aus dem Stamm Juda, der überwunden hat (5,5). Die sieben Donner sind die Antwort des Himmels, genauer: Gottes (4,5), und die Anerkennung seiner Rechte. Dass die Stimme der Donner versiegelt wurde, scheint angesichts von 1,19 und 22,10 nur eine vorübergehende Versiegelung zu bedeuten, die vielleicht mit den Schalengerichten enthüllt wurde.
Dass der Engel bei Gott schwört (V.6) und dadurch unter ihm steht, spricht nicht unbedingt gegen die Identifizierung mit Jesus Christus. Christus wird hier als Mensch gesehen, und als solcher kann er durchaus bei Gott schwören (in Joh 14,28 sagt Jesus selbst, dass der Vater größer ist als er). Außerdem schwört Gott mehrmals bei sich selbst (1.Mo 22,16; Hebr 6,13).