2.Samuel 13

Juni 09

Heutige Bibellese:

2.Samuel 13,1-39 / Apostelgeschichte 7,1-29 / Psalm 127,1-5 / Sprüche 16,30


Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. (Gal 6,7)

Genau das musste David am eigenen Leibe erfahren. Er hatte Hurerei getrieben und gemordet. Nun musste er erleben, wie Hurerei und Mord in seiner eigenen Familie stattfanden. Er musste ernten, was er gesät hatte. Und dennoch hätte alles nicht so schlimm kommen müssen. Seine eigenen Sünden hatten sein Urteilsvermögen geschwächt.

Es fällt auf, dass selbst Menschen mit geistlichem Unterscheidungsvermögen sich schwer tun, Sünde in ihrer eigenen Familie zu richten. Oft wird versucht, sie zu entschuldigen und manchmal folgen die Eltern sogar den Fehlern und Sünden der Kinder. Auch fällt es schwer, Sünden zu verurteilen, die man selbst begangen hat; hier ist man „verständnisvoll“ und nachsichtig. Bei David kamen beide Aspekte zusammen und führten dazu, dass er seinen Söhnen nicht mit der nötigen Strenge entgegentrat und ihre Sünden ungerichtet ließ. Darin glich er Eli, der zwar erkannte, dass seine Söhne unrecht taten, sie aber nicht an ihrem Tun hinderte (1.Sam 2,22-25.29). David kannte auch Samuel und dessen Söhne – und war dennoch außerstande, seine Söhne besser zu erziehen.

Hätte David sich nicht denken können, was Amnon, sein erwachsener Sohn, vorhatte? Es gab genug Mägde. Aus welchem Grund sollte gerade seine Halbschwester ihm Essen zubereiten? Nach der Schändung Tamars hätte David diese Tat rächen müssen (3.Mo 20,17). Die Septuaginta ergänzt in einer wohl korrekten Randbemerkung, dass David dies nicht tat, weil er eine Vorliebe für ihn als seinen erstgeborenen Sohn hatte. David wurde zwar zornig (V.21), aber er unternahm nichts, weil er in seinen Sohn vernarrt und durch seine eigene Sünde sittlich geschwächt war.

Möge der Herr allen Eltern einen klaren Blick geben, die Sünden ihrer Kinder zu erkennen, sowie die nötige Kraft, sie in angemessener Weise zurechtzuweisen. Die Liebe zu unseren Kindern darf nie so weit gehen, dass sie uns für deren Sünden blind werden lässt.


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