Daniel 12,1-5
Heutige Bibellese:
Daniel 11,36-12,13 / 2.Johannes 1-13 / Psalm 123,1-4 / Sprüche 28,25-26
Die Kapitel 10-12 bilden eine zusammenhängende Vision. Das wird u.a. dadurch deutlich, dass in V.5 die in 10,4-6 gesehene Person nochmals erwähnt wird. 10,14 ist daher auch der Schlüssel zum Verständnis von Kapitel 12. Es geht um Israel („Daniels Volk“), um das „Ende der Tage“ und die Ereignisse würden erst in der fernen Zukunft („Gesicht für ferne Tage“) eintreffen – immerhin sind seit Daniels Zeit über 2500 Jahre vergangen!
In Vers 1 wird gesagt, dass dem Volk Israel eine große Bedrängnis bevorsteht (das ist die in 11,35-44 beschriebene Zeit). Doch der Engel tröstet Daniel, indem er sagt, dass der Engel Michael, der große Fürst, der für das Volk Israel eintritt, aktiv werden und sein Beschützer sein wird, wenn der Satan in der Drangsalszeit versuchen wird, den treuen Überrest Israels zu vernichten (vgl. Off 12,17).
Die in V.1 beschriebene große Drangsal endet mit dem Wiederkommen Jesu. Dann werden die Glaubenden, die in dieser Zeit getötet wurden, zu ewigem Leben auferweckt werden, um mit Christus in das Tausendjährige Reich einzugehen (V.2). Die Heiligen, die sich in der Drangsalszeit als verständig erwiesen haben und viele zur Gerechtigkeit und zum Glauben geführt haben, werden in ewiger Herrlichkeit erstrahlen (V.3). Die gottlosen Toten werden dagegen erst am Ende des Tausendjährigen Reiches auferweckt und verurteilt werden (Off 20,5).
Andere sehen in V.2 einen Hinweis auf die nationale und moralische Wiederherstellung Israels, die auch in Jes 26,13-14.19 und Hes 37,1-14 mit dem Bild der körperlichen Auferweckung beschrieben wird.
Deine Toten werden lebendig, meine Leichen wieder auferstehen. Wacht auf und jubelt, Bewohner des Staubes! [...] (Jes 26,19)
Jes 26,19 (wo es dem Kontext nach um die Nation Israel geht) stimmt fast wörtlich mit V.2 überein. Und in Hes 37,9-14 wird das Bild der lebendig werdenden Totengebeine ebenfalls eindeutig im Sinne einer nationalen Wiederherstellung Israels erklärt. Das Volk Israel liegt bildlich gesprochen in den Nationen begraben. Inzwischen hat die nationale Wiederherstellung begonnen. Doch trotz der Rückkehr von 4 Millionen Juden ins Land Israel lebt die Mehrzahl von 14 Millionen immer noch unter den Nationen. Wenn das ganze Volk im Unglauben in das Land zurückgebracht sein wird, wird ein Teil („Überrest“) das Evangelium annehmen und in das Tausendjährige Reich eingehen und dessen Segnungen genießen. Diese werden zu „ewigem Leben aufwachen“. Die anderen werden dagegen den falschen Messias annehmen, so dass die Wiederbelebung für sie in ewiger Schande und Abscheu enden wird.
Die jüdischen Lehrer, die in der Endzeit treue Zeugen für Gott sein und Menschen zur Gerechtigkeit weisen werden (und dadurch ein Licht in dieser äußerst finsteren Zeit sein werden), werden im Friedensreich besonders belohnt werden; sie werden leuchten wie die Sterne des Himmels – immer und ewig (V.3; vgl. auch 1.Kor 15,40-44 bezüglich der Auferstehung der Christen).
Eine ähnliche Verheißung gibt Jesus seinen Jüngern am Ende der Deutung des Gleichnisses vom Unkraut des Ackers. Wenn am Ende dieses Zeitalters die Bösen ausgesondert und ins Feuer (der Hölle) geworfen werden, werden die Gerechten im Reich des Vaters leuchten wie die Sonne (die bekanntlich heller ist als die in V.2 erwähnten Sterne, was auf eine höhere Stellung der Glaubenden des Gemeindezeitalters hindeuten könnte). Doch bevor das der Fall sein wird, lautet unser Auftrag, in dieser Welt Licht für den Herrn zu sein:
[...] damit ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr leuchtet wie Himmelslichter in der Welt [...] (Phil 2,15)