Daniel

Nov 25

Heutige Bibellese:

Daniel 1,1-2,23 / 2.Timotheus 2,1-21 / Psalm 119,65-80 / Sprüche 28,12


Das Buch Daniel gehört wie auch die Offenbarung, die Visionen des Propheten Sacharja (Sach 1,7-6,8) und Jes 24-27 zur apokalyptischen Literatur. „Apokalypse“ heißt zu Deutsch „Enthüllung“. Gott gab seinem Volk immer gerade dann Apokalypsen, wenn böse Mächte herrschten und die Bosheit in der Welt ihren Höhepunkt erreicht zu haben schien. In den Apokalypsen enthüllt er die wirklichen Zusammenhänge hinter dem Sichtbaren und verkündigt den zukünftigen, endgültigen Sieg der Gerechtigkeit. Typisch für die apokalyptische Literatur sind viele Zahlen und Symbole, deren Gott sich bedient, um die Wahrheit zu verdeutlichen. Meistens zeigt eine Untersuchung des Kontextes oder ein Vergleich mit parallelen Bibelstellen, wie die Bilder oder Visionen zu interpretieren sind. Um ihre wahre Bedeutung zu erfassen, ist daher ein sorgfältiges Schriftstudium erforderlich.

Selbst die historischen Ereignisse, die am Anfang der „Zeiten der Nationen“ (Lk 21,24) stattfanden und im Buch aufgeschrieben wurden, sind (neben ihrer historischen Bedeutung) von prophetischem Charakter. Sie bilden eine Illustration dessen, was gegen Ende der Regierung der Nationen kurz vor dem Wiederkommen des Messias Jesus Christus geschehen wird (wovon das Buch Daniel prophetisch berichtet). Die Kapitel 3 und 6 sind eine Vorschattung der schrecklicheren und allgemeineren Verfolgungen, die das Volk Gottes in der Endzeit erleiden wird (7,25; 8,24; 9,26; 12,1). Die überwiegende Mehrheit wird Gott ablehnen und verwerfen und sich gotteslästerlich verhalten (7,25; 9,26; 11,37-39).

Das Buch Daniel wird im NT oft zitiert oder angeführt (auch von Jesus selbst: Mt 24,15; vgl. 7,13 mit Mt 24,30: Wolken des Himmels, sowie den herabstürzenden Stein 2,44-45 mit Mt 21,44). Vor allem aber enthält es die einzige Weissagung im AT über den genauen Zeitpunkt des ersten Kommens Christi (9,24-27).

Die exakten Vorhersagen Daniels, von denen sich über 200 bereits erfüllt haben, sind immer wieder Anlass dafür gewesen, das Buch als eine spätere Fälschung aus der Makkabäerzeit anzusehen. Stärkstes Gegenargument gegen diese Sichtweise ist, dass Jesus selbst das Buch Daniel zuschreibt (Mt 24,15). Außerdem ist das Buch in der Septuaginta enthalten, die vor der Makkabäerzeit angefertigt wurde. Der jüdische Historiker Flavius Josephus nennt einen weiteren historischen Beweis dafür, dass das Buch bereits vor der Makkabäerzeit existierte. Als Alexander der Große, der in der Prophetie in Dan 8 beschrieben wird, 332 v.Chr. nach Jerusalem kam, habe der Hohepriester Jaddua ihm die Weissagung Daniels gezeigt und er sei davon höchst beeindruckt gewesen. Und schon Hesekiel, der ein Zeitgenosse Daniels im Exil war, berichtet äußerst positiv über Daniel (Hes 14,13-20; 28,3).

Auch Ausgrabungen bestätigen die Echtheit des Buches Daniel. Zudem sind die von Daniel beschriebenen chaldäischen Bräuche und Religion ein Indiz dafür, dass Daniel dort lebte und Augenzeuge war. Die Beschreibung der Magier, der Wahnsinn Nebukadnezars und anderes wird durch außerbiblische Quellen bestätigt.

Von 2,4 bis 7,28 ist das Buch in Aramäisch geschrieben, der Sprache, die am Hof Nebukadnezars gesprochen wurde und später offizielle Sprache des ganzen westlichen Teils des persischen Reiches wurde. Der Rest ist in hebräischer Sprache verfasst. Der Autor muss folglich beide Sprachen beherrscht haben, was gut zu einem Mann im Exil passt!


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