Daniel 7

Nov 30

Heutige Bibellese:

Daniel 7,1-28 / 1.Johannes 2,18-3,6 / Psalm 119,161-176 / Sprüche 28,19-20


Die ersten sechs Kapitel des Buches Daniel haben geschichtlichen, die letzten sechs prophetischen Charakter. Kapitel 7 gehört in das erste Jahr Belsazars, Kap. 8 in dessen drittes Jahr. Kap. 9 fällt in das erste Jahr des Darius, Kap. 10 in das dritte Jahr von Kyrus (und je nach Interpretation von 11,1 eventuell auch Kap. 11-12). Die prophetischen Kapitel sind nicht in die geschichtlichen eingeordnet, sondern in einem zweiten Teil zusammengefasst.

Die Tiere, die Daniel sah, waren durchaus furchteinflößend, so dass es nicht erstaunt, wenn er über seine Vision erschrocken war und nähere Erklärungen wünschte (V.15.19-20). Die Vision der Tiere führt bis in die Endzeit. Dann wird die Welt erneut unter der Macht des Römischen Reiches (des vierten Tieres) stehen, dem brutalsten und gewalttätigsten aller Reiche (V.23). Die zehn Hörner entsprechen zehn Königen dieses Reiches (V.24), die unter der Macht des „kleinen Horns“ (König) stehen werden. Dieses Horn ist „der kommende Fürst“ (9,26) und das Tier aus Off 13,1-10, der Anführer des wiederhergestellten Römischen Reiches (bzw. nach anderen Auslegern der eigenwillige König aus 11,36-45 und der „Mensch der Sünde“, 2.Thess 2,4-8).

Der König, der durch das kleine Horn dargestellt ist, wird drei Könige erniedrigen (V.25). Und er wird gegen Gott (den Höchsten) reden (vgl. Off 13,5-6) und dessen Heilige zu vernichten suchen. Er wird versuchen, Festzeiten und Gesetze zu ändern, d.h. die Religionsausübung zu verhindern. Dreieinhalb Jahre werden die Heiligen dem gottfeindlichen Treiben des Königs ausgesetzt sein. (Auf dreieinhalb Jahre kommt man, wenn man „Zeit“ mit einem Jahr gleichsetzt, eine halbe Zeit mit einem halben Jahr und den Plural „Zeiten“ mit zwei Jahren. Das entspricht der letzten Hälfte des Bundes von 9,27. Außerdem deckt sich diese Zeitangabe mit den 42 Monaten aus Off 11,2; 13,5 bzw. 1260 Tagen aus Off 12,6, da in der Bibel mit Monaten von 30 Tagen gerechnet wird.)

Aber der letzte Herrscher des Römischen Reiches wird sein Unwesen nicht unbegrenzt treiben können. Wenn das Gericht sich setzt, wird ihm die Herrschaft genommen (V.26) und die Heiligen des Höchsten (V.18.27) werden das Reich empfangen und bis in Ewigkeit besitzen. Die Schreckensherrschaft der Tiere ist begrenzt, das Reich, das die Heiligen empfangen werden, wird dagegen ewig bestehen bleiben – und alle Mächte werden dem Höchsten dienen und gehorchen!

Es ist klar, dass die Heiligen der Gemeinde, d.h. die Glaubenden des jetzigen Zeitalters, am Gericht und an der Herrschaft Christi teilhaben werden (vgl. Röm 8,17; 1.Kor 6,2; Off 3,21). Doch die Heiligen, die Daniel im Blick hat, sind die Angehörigen seines Volkes. Auch sie werden an der Herrschaft im Friedensreich beteiligt sein (V.18.27; vermutlich auf einer anderen Ebene). Die Gemeinde wird dagegen nicht mehr unter dem „kleinen Horn“ leiden müssen, sondern vorher entrückt werden.